Der Sommer kann kommen

Strandbars und Sonnencafés

Frankfurter Rundschau, 07. April 2009
Wochenlang hat die Stadt auf die Sonne gewartet, auf wärmende Strahlen. Nun packen die Ersten ihre FlipFlops aus – und gehen ans Mainufer. Zum Trinken, zum Genießen, zum Seele auftanken.

Oben auf der Untermainbrücke rauscht die Feierabendkarawane gen Sachsenhausen, als unten am Ufer ein erster Aufruhr entsteht und die Entspannung im milden Licht des frühen Sommersonnenuntergangs durchbricht. Der Ball eines jungen Mannes hat den Weg genommen, den in diesem Sommer noch viele Bälle nehmen werden. Er ist gegen den Brückenpfeiler geprallt, gehoppelt, geplatscht – ins Wasser. Und nun stehen sie da, die Frankfurter an ihrem Meer, und winken und rufen und lassen dem armen Ruderer gar keine andere Wahl, als sich der Sache mühsam manövrierend anzunehmen.

Wenn die Kräfte des Frühlings gemeinsam walten, dann kann das Bälle aus Fluten retten. Und Frankfurter aus allen winterlichen Lebenslagen befreien.

Am „Maincafé“ haben sie das längst erkannt. Schon seit vergangener Woche werden dort Bälle gerettet und aus der Waagerechten die Senkrechten auf der anderen Seite beobachtet, bei kühlen Schoppen und leckeren Baguettes. Die Schlange der Durstigen reicht am Nachmittag von der kleinen Theke im Innern der Kaimauer bis weit hinaus auf den Schotterweg, dem Sommer entgegen. „Der Bär und seine Familie steppen hier, seit die Sonne da ist“, sagt Hal Elshorst, der Koch im Maincafé. Deshalb habe man vergangene Woche flugs die Mitarbeiter zusammengetrommelt, „ein bisschen Anlaufschwierigkeiten hatten wir noch, aber jetzt läuft es rund“, sagt Elshorst. Das Geschäft brummt am Main, kaum dass der April begonnen hat.

Flussaufwärts an anderer Stelle ist das nicht anders. An der Weseler Werft, inmitten der mangels Baufortschritt zunehmend verwildernden Großmarkthallenbrache, stehen die Tische schon wieder draußen im Kiesbett. Im „Pflasterstrand“ wird noch nicht gekocht, aber doch schon Kühles ausgeschenkt, beim mindestens zweitschönsten Blick auf die Wolkenkratzer der Innenstadt und das weinfarbene Meer zu Füßen. Und gegenüber am Deutschherrnufer ist die Brasil Bar aus der Winterpause getaucht, mit all ihren fruchtigen Cocktails und den Tonnen von Crushed Ice im Hänger.

Die Palmen fehlen noch
Nur der Sand fehlt noch, den die Nach-68er-Generation sich nicht mehr romantisch unter dem Pflaster erträumt, sondern ebenso einfach wie effektiv oben drauf schütten lässt, mit dem Kipplaster. Pragmatiker, die sie sind. Weil alles Buddeln ja doch nichts brächte außer ruinierten Fingernägeln.

Ganz am anderen Ende der Stadt liegt er schon und wartet. Am Donnerstag beginnt die Alte Schiffsmeldestelle am Mainufer unterhalb des Höchster Schlosses die Sommersaison, am Dienstag werden dort deshalb letzte Vorbereitungen getroffen, die Kaffeemaschine aufgebaut, die Gläser geputzt. „Wir warten gerade noch auf den Mechaniker, der die Zapfanlage anschließt“, sagt Christoph Thiel, einer der Betreiber der Schiffsmeldestelle. Dann aber könne es wirklich losgehen.

Ein bisschen länger gedulden müssen sich noch die Gäste des östlichsten Beachclubs. Das King Kamehameha hat gerade einen Besitzerwechsel hinter sich und wird künftig von Szene-Gastronom Tim Plasser geführt. Die Vorbereitungen liefen bereits, heißt es, einen Eröffnungstermin gebe es aber noch nicht. Palmen fehlen also noch in Frankfurt am Meer.

Wie sangen die Barden von Badesalz einst? Bali mach uff, Bali ich komm, Bali ich leg mich bei dir in die Sonn‘! Damals, muss man dazu sagen, lag der Strand eben noch nicht auf dem Pflaster.

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Autor: Felix Helbig
Quelle: Frankfurter Rundschau Online