Spannend & skurril: Michael Quast zeigt uns sein Höchst

Die Kontraste im Stadtteil haben es dem Festival-Macher angetan

Höchster Kreisblatt, 01.09.2011 (Auszug)
Seit sechs Jahren gastiert „Barock am Main“ im Garten des Bolongaropalasts. Beim Rundgang durch Höchst zeigte Festival-Macher Michael Quast uns seinen Blick auf Höchst.

„Barock am Main“ ist inzwischen fest in Höchst verankert. Als „Schorsch Dandin, der beduppte Ehemann“ ist Festival-Macher Michael Quast in diesem Jahr auf der Bühne im Bolongarogarten zu sehen. Zwischen den Proben spaziert der Schauspieler und Leiter der Fliegenden Volksbühne Frankfurt am Mainufer entlang oder durch die Höchster Altstadt.

„Das Mainufer ist toll geworden. Und die Fähre eine echte Attraktion“, freut er sich beim Blick auf das Wasser. „Ich stand mal bei einem Spaziergang auf der anderen Mainseite und musste zur Probe. Da war die letzte Fähre schon weg, das war weniger lustig“, erinnert sich Quast. In guter Erinnerung geblieben ist ihm auch die Schiffsmeldestelle: „Da haben wir mal zwischen zwei Proben die WM geschaut.“

Gefallen habe Quast das Freilicht-Kino auf der Wörthspitze, das in diesem Jahr Premiere feierte. „Das ist ein toller Ort. Leider hatten die ja richtig Pech mit dem Wetter. Ich hoffe sehr, das es da weitergeht im nächsten Jahr.“

Beim Gang über die Bolongarostraße sind es vor allem die Gegensätze, die den Schauspieler reizen. „Am Bolongaropalast wird es besonders deutlich. Auf der einen Seite unsere kleine Barock-Welt, auf der anderen Tristesse“, sagt Quast und blickt auf die dreckig-orangene Fassade des Hauses gegenüber des Palasts. „Spannend und skurril“ seien diese Gegensätze schon, „nur muss man auch sehen, dass etwas daraus wird“. An vielen Stellen in Höchst sei das bereits gut gelungen. „Dafür fallen dann aber die Ecken, die noch nicht gemacht wurden, besonders ins Auge.“

Weggang kein Thema
In der Höchster Altstadt gibt es noch immer einige solcher Problemstellen, am prominentesten sicherlich der „Goldene Adler“. „Mein Vater war Architekt und hat sich intensiv mit der Heidelberger Altstadt beschäftigt“, verrät Quast. Deutlich werde auf der Bolongarostraße aber auch, dass sich bereits viel getan habe. Etwa an der Galerie am Schloss oder der kleinen Buchhandlung von Esther Baum-Schaller. „Solche Orte sind wichtig für einen Stadtteil. Davon müsste es noch mehr geben.“ Besonders am Herzen liege ihm auch das Haus mit der Nummer 161, dessen Fassade von der „Denkenden Hand“ Georg K. Glasers geprägt wird. „Glasers Biografie ist wahnsinnig interessant. Ich bin mir gar nicht sicher, ob viele Höchster wissen, was sie da haben. Und das Gewölbe im Keller ist natürlich auch toll.“ In dem Haus ist nicht nur die Galerie des Künstlers Jürgen Wiesner untergebracht, der Gewölbekeller dient auch als Konzertsaal mit besonderer Akustik.

Angekommen ist das Ensemble von „Barock am Main“ inzwischen auch in kulinarischer Hinsicht in Höchst. „Wir waren letzt in einem neuen Fisch-Restaurant auf der Bolongarostraße, das war sehr gut“, urteilte Quast. Ohnehin sei „Barock am Main“ inzwischen fast mehr ein Festival für Höchst und das Umland als für Frankfurt. „Nur rund ein Drittel unserer Besucher kommen aus Frankfurt, die Mehrheit aus dem Höchster Umland“, sagt Quast. Als Nachteil sieht er das aber nicht an, auch wenn es schon Stimmen gegeben habe, die monierten, dass Höchst zu weit entfernt von der Innenstadt sei. „Aber wir sind hier inzwischen richtig gut verankert, und der Spielort hat viele Vorteile“, meint Quast. Deshalb sei auch der Weggang des Festivals aus Höchst kein Thema, wenn der Bolongaropalast renoviert wird. „Dann finden wir eine Alternative im Stadtteil“, ist sich Quast sicher.

Wünschen würde er sich indes, dass noch mehr Höchster die Vorstellungen im Bolongarogarten besuchen. „Wenn man aus dem Garten kommt, hat man manchmal schon das Gefühl, eine Seifenblase zu verlassen.“ Probleme gebe es lediglich ab und an mit zu lauten Jugendlichen. „Da muss man dann sehen, dass man ihnen keine Aufmerksamkeit schenkt. Aber ich glaube, die gibt es überall.“

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Autor: Robin Göckes
Quelle: Höchster Kreisblatt Online