Gastronomie muss ehrlich sein

FBMA-Herbsttagung mit Trendtour Frankfurt

AHGZ, 29. Oktober 2011
„Frankfurts Gastronomie- und Hotellandschaft hat sich gut entwickelt. Die Stadt bietet große Vielfalt“, resümierte Udo Finkenwirth, Präsident der Food + Beverage Management Association (FBMA), bei der Herbsttagung in Frankfurt. Dort nahmen die F&B-Experten einige Konzepte unter die Lupe. Auf dem Programm standen Trends, Konzepte, Regionalität sowie das internationale Netzwerk.

Auch die Tradition wird in der Mainmetropole gelebt. „Bürgerliche Gastronomie mit ehrlichem Charakter vermitteln“ – so lautet die Devise von FBMA-Mitglied Frank Wellert, der das Gasthaus Zum Bären und die Schiffsmeldestelle in Frankfurt-Höchst betreibt. „Ehrlichkeit, Tradition pflegen und hervorheben, Idealismus und Authentizität“ sind für ihn Werte, die er seinen Gästen vorlebt. Der traditionelle Apfelwein im Bembel und die langen Tische im Restaurant fördern Kommunikation und Spaß.

Mit Aktionen wie Elchsteaks am Mittwoch, Wildschweinkeule in Wiesenheu am Freitag oder Spanferkel jeden dritten Sonntag zieht er Kunden an. Doch auch modernes Internet-Marketing nutzt Wellert, um sich neue Zielgruppen zu erschließen – und die Arbeit zu vereinfachen. Rund 250 Reservierungen pro Monat laufen über die Internetseite. „Zusatzeffekt: Gästeinformationen, etwa über Vorlieben der Kunden“, so Wellert. Darüber hinaus ist der Gastronom bei Facebook aktiv.

Dass traditionelle und moderne Locations voneinander profitieren können, schilderte Trendexperte Pierre Nierhaus in seinen Ausführungen über die Gastronomie der Zukunft. Beispiel Kopenhagen: Viele Touristen reisen in die Stadt, um einmal im angesagten Restaurant Noma zu speisen. „Die Synergieeffekte für andere Betriebe sind groß, denn im Noma isst man aufgrund der hohen Preise nicht jeden Tag“, so Nierhaus. Zudem riet er, den demografischen Wandel als Chance zu nutzen. Denn insbesondere die ältere Generation könne sich Hotel- und Restaurantbesuche leisten. Dabei lasse sich der Gast aber nicht mehr einkreisen. „Ein Firmenchef mit Harley Davidson muss ebenso willkommen sein wie ein Gast, der mit dem Kleinwagen anreist und auf einen geringen CO2-Ausstoß achtet“, sagte der Berater. Eine weitere These: „Design erschließt neue Kunden.“

Als stärksten Impulsgeber machte Pierre Nierhaus Asien aus. Insbesondere von der enormen Gastfreundschaft könne man hierzulande lernen.

Wie Asiaten ticken, sehe man vor allem in Metropolen wie Singapur und Kuala Lumpur, sagte Udo Finkenwirth. „Wir bekommen immer mehr asiatische Gäste, wir müssen wissen, was sie von Europa erwarten.“ Der Präsident hatte Ende September das FBMA Dream Team zum internationalen Gastronomiewettbewerb Culinaire Malaysia nach Kuala Lumpur begleitet, wo die Deutschen den Mannschaftstitel holten. Mit den Herausforderungen vor Ort musste sich das Sieger-Team um Christina Merz (Köchin), Jasmin Petker (Restaurantfachfrau) und Fabian Balduf (Barkeeper), alle vom Lufthansa Training & Conference Center Seeheim, auseinander setzen. „Kurz vor dem Wettbewerb fanden wir lediglich einen Tisch vor. Wir mussten zwei Gaskocher besorgen, um damit das Menü zuzubereiten“, erzählte Teamleader Oliver Gade, Öschberghof Donaueschingen. Der Aufenthalt habe sich aber nicht nur wegen der Medaille gelohnt. „Viele nette Leute, offene Herzen und zahlreiche Kontakte“ haben alle vier aus Asien mitgebracht.

Kontakte gepflegt haben auch die 110 Teilnehmer der FBMA-Tagung im Welcome Hotel Frankfurt. Während einer Trendtour durch die Mainmetropole zeigte Gastro-Experte Jean-Georges Ploner neue Highlights der Stadt wie das Jumeirah Frankfurt, die Klassikstadt mit Werkskantine oder das Designhotel Roomers.

Die nächste FBMA-Jahreshauptversammlung kündigte Vize-Präsident Michael Bläser für den 15. und 16. April 2012 in Freiburg an. Als Preisträger der 57. Brillat-Savarin-Plakette werde dann der Gastronom, Hotelier und Winzer Fritz Keller, Vogtsburg-Oberbergen, ausgezeichnet.

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Autorin: Svenja Alberti
Quelle: AHGZ Online – Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung