Abenteuer an der Nidda

Frankfurter Rundschau, 14. Juli 2013 (Auszug)
Ein gutes Stück des Grüngürtels kann man am Flussufer erkunden. Besonders für Familien wird viel geboten: Erlebbare Natur und Geschichte, Freibäder, Gastronomien sowie ein Minigolfplatz. Wir stellen die Höhepunkte vor.

Es empfiehlt sich, im Norden anzufangen und dem Flusslauf zu folgen, am besten am linken Niddaufer. Egal, ob man in Bad Vilbel, Harheim oder Berkersheim beginnt: In jedem Fall bietet sich ein schöner Anblick. Die Ufer und der Flusslauf der Nidda sind hier weitgehend renaturiert worden, überall sprießt das Grün weitgehend sich selbst überlassen. Geduldige Naturfreunde können hier Tiere beobachten, solange sie dem Ufer und dem Fluss fernbleiben. Auch Hunde sollte man an der Leine führen, um die geschützten Tiere nicht zu stören.

Flussabwärts, bei Bonames, lädt die erste Station zum Verweilen ein. Auf der anderen Seite der Robert-Gernhardt-Brücke, auf der das Grüngürteltier sitzt, liegt der Alte Flugplatz, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs den Amerikanern als militärischer Übungsplatz diente und bis 1992 die Anwohner mit Fluglärm beschallte. Das Rollfeld dient heute vor allem für Fahrräder, Inlineskates und Tretroller, während um den Asphalt herum das Gras wächst. Im Tower Café kann man Mahlzeiten und Nachtische genießen, im angeschlossenen Feuerwehrmuseum traditionelle Kinderträume nähren, im Grünen Klassenzimmer können Kinder etwas über den Grüngürtel erfahren. Derzeit findet dort, bis zum 12. August, die „Sommerwerkstatt im Grüngürtel“ für Kinder und Eltern statt. Vom Flugplatz aus lässt sich auch eine kleine Exkursion zum wiederangeschlossenen Nidda-Altarm machen, wo man zusehen kann, wie die Natur die Umwelt zurückerobert.

Auf der anderen Flussseite geht es weiter nach Eschersheim. Am dortigen Stauwehr, wo der Urselbach in die Nidda fließt, kann man sich im Freibad abkühlen. In den Sommerferien beginnt das Baden täglich schon ab 9 Uhr. Neben Wasserspielen und Kinderspielplatz hat es auch ein Beachvolleyballfeld und einen Imbiss zu bieten.

Nida hieß eine ehemalige Römerstadt
Bei Eschersheim wechselt man wieder die Flussseite und fährt weiter nach Heddernheim. Hier liegt zwar nicht die Quelle des Flusses, aber der mutmaßliche Ursprung seines Namens: Nida hieß die ehemalige Römerstadt, in der 3000 bis 5000 Menschen wohnten. Die Nidda diente den Römern als Haupthandelsweg. All das und noch einiges mehr über die Begradigung des Flusses kann man auf einer Informationstafel an der Hadrianstraße nachlesen. Auf einem archäologischen Rundweg lassen sich noch Reste des antiken Nida in der heutigen Römerstadt erkunden, die dank der Architektur von Ernst May selbst ein Denkmal der Geschichte ist. Im Burgfeld befindet sich das Museum zum Thema.

Nach so viel Bildung tut ein wenig Sport gut. Konzentration und Feinmotorik sind nötig, wenn man auf dem Minigolfplatz an der Hadrianstraße bestehen will. Geöffnet ist dieser täglich ab 14 Uhr, sonntags und feiertags ab 10.30 Uhr. Für Kinder bis zwölf Jahren kostet eine Runde 2,50 Euro, für Erwachsene drei Euro. Und zur Belohnung kann man sich ein Eis gönnen. Doch es lohnt sich auch ein ausführlicheres Picknick, denn nebenan liegt ein großer Grillplatz, über dem an schönen Tagen dicke Qualmwolken hinwegziehen.

Alternativ kann man auf der anderen Nidda-Seite einen Abstecher in die kultivierte Natur machen: Der Volkspark Niddatal ist ein 144 Hektar großes Stück Grüngürtel mit ausgedehnten Wald- und Wiesenflächen, die viel Platz für Radfahrer, Jogger und Gassigeher bieten. Entstanden ist der Landschaftspark zur Bundesgartenschau in den Jahren 1984 bis 1989, deswegen wird es noch heute „BUGA“-Gelände genannt. Am nordwestlichen Ende des Niddaparks kann man sich in der jüngst wiedereröffneten Trinkhalle an der Praunheimer Brücke erfrischen.

Ein längerer Abschnitt der Nidda vorbei an Wiesen führt nach Hausen, wo es zwei Attraktionen gibt: Das Freibad und das Anglerheim. Letzteres ist schon lange ein beliebtes Ziel für Radler-Zwischenstopps, seit April hat es einen neuen Pächter, der im „Restaurant Nidda“ neben gutbürgerlichen Speisen auch indische Gerichte anbietet.

Überreste vom Rödelheimer Schloss
Ein breiter, gut ausgebauter Weg zieht sich nach Rödelheim. Hier wurde der ehemals romantische Brentanopark vor kurzem saniert. An ihn schließt sich das dritte Freibad auf der Strecke, das Brentanobad, an. Im Petrihaus auf der anderen Seite des Wehres finden Kultur-Veranstaltungen statt. Hinter der Straße „Auf der Insel“ setzt sich das Grün im Solmspark fort. Neben alten Mühlsteinen, die an die ehemalige Mühle erinnern, findet man auch wenige Überreste von Burg und Schloss Rödelheim. Auf einer Infotafel erfährt man mehr über die Geschichte des Baus. Ansonsten ist der Solmspark, der zwischen Nidda und Mühlgraben liegt, auch für Freunde des gepflegten Grüns einen Besuch wert.

Nach dem Blauen Steg wird die Nidda sehr gerade und führt unter einigen Eisenbahn- und Straßenbrücken hindurch. Danach aber sind die stillen Gewässer auf beiden Seiten einen Blick oder Schnappschuss wert – die Altarme der Nidda. Einer von ihnen soll in den nächsten Jahren wieder an den Fluss angeschlossen werden und dient dann als Umgehungsrinne für die Fische, die das Praunheimer Wehr passieren.

Nach einer so großen Durststrecke hat man sich mal wieder eine Pause verdient. Am „Niddastrand“ in Nied kann man im Liegestuhl auf Sand ein kaltes Getränk genießen. Geöffnet ist die Bar täglich ab 10 Uhr. Am 28. Juli treten ab 16 Uhr die Ape Brothers aus Groß-Gerau mit einer „Cocktail-Mixing-Show“ auf.

An der nächsten Nidda-Schleife kommt man am Höchster Wehr vorbei, dem ältesten von sechs Frankfurter Nidda-Wehren und dem einzigen mit Spitzgiebeln. Derzeit wird es zum Teil abgebaut und durch ein Streichwehr und eine Brücke ersetzt. Ein Häuschen wird zu einem Aussichtsturm.

Das letzte Stück Nidda lässt die Fahrt in Höchst enden, an der Wörthspitze, wo die Nidda in den Main fließt. Die Mainpromenade führt zum Höchster Schloss, das man sich ebenso ansehen sollte wie die Altstadt. Den Tag kann man im Café „Wunderbar“, Antoniterstraße 16, ausklingen lassen oder – allerdings nur bei gutem Wetter – in der „Alten Schiffsmeldestelle“, dem Beachclub am Mainufer.

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Online-Link: http://tinyurl.com/m5hb23k
Autoren: Lukas Gedziorowski
Quelle: Frankfurter Rundschau Online